Die Sonne brannte unbarmherzig auf das weite Feld, als Lisa aus dem überfüllten Shuttlebus stieg. Um sie herum drängten sich Hunderte, nein Tausende von Menschen, alle mit dem gleichen Ziel: Parookaville, das größte Electronic Music Festival Deutschlands. Die Luft war erfüllt von aufgeregtem Stimmengewirr, dem entfernten Wummern der ersten Bässe und dem unverwechselbaren Geruch von Sonnencreme, Schweiß und Abenteuer. Lisa war zwanzig Jahre alt, hatte blonde Locken, die ihr wild um den Kopf standen, und trug ein knappes Top, das ihren Bauchnabel frei ließ, sowie eine kurze Hose, an der winzige Spiegel glitzerten. Sie hatte sich monatelang auf dieses Wochenende gefreut. Drei Tage ausrasten, tanzen, feiern und vor allem alles hinter sich lassen. Den Stress im Studium, die blöde Trennung von ihrem Ex Freund, den Alltag.
Hier, in dieser bunten, verrückten Stadt aus Kunststoff und Bass, wollte sie einfach nur leben. „Lisa! Komm endlich!“ Die Stimme ihrer besten Freundin Jana riss sie aus ihren Gedanken. Jana stand schon ein Stück weiter, die Arme in die Luft gereckt, und grinste wie ein Honigkuchenpferd. Neben ihr warteten Laura und Marie, die anderen beiden aus ihrer Clique. Vier Mädchen, ein Zelt, ein Wochenende voller Wahnsinn. „Wir müssen zum Green Camp!“, rief Marie und zerrte an ihrem Rucksack. „Das ist da hinten, am anderen Ende!“ Sie kämpften sich durch die Menschenmassen, vorbei an bunten Ständen, riesigen Bühnen und verrückt kostümierten Gestalten. Überall wurde gelacht, getrunken, getanzt. Die Stimmung war elektrisierend. Als sie endlich das Green Camp erreichten, die Zone, in der die umweltbewussten Festivalbesucher campierten, fanden sie eine kleine freie Fläche zwischen unzähligen bunten Zelten.
„Hier ist perfekt!“, rief Jana und warf ihren Rucksack auf den Boden. „Aufbauen, Leute! Wir haben nicht ewig, heute Abend spielt Martin Garrix!“ Während sie ihr Zelt aufbauten, bemerkte Lisa die Gruppe direkt neben ihnen. Vier Jungs, etwa in ihrem Alter, die gerade versuchten, ein viel zu großes Zelt aufzustellen und dabei kläglich scheiterten. Einer von ihnen, ein großer, schlaksiger Typ mit dunklen Haaren und einem schiefen Grinsen, fluchte laut auf Deutsch, während die anderen ihn auslachten. „Braucht ihr Hilfe?“, rief Lisa rüber. Der Typ sah auf, und für einen Moment trafen sich ihre Blicke. Er hatte grüne Augen, so grün wie das Gras unter ihren Füßen, und ein Lächeln, das ihr Herz einen Schlag lang aussetzen ließ. „Äh, ja“, sagte er. „Wäre nicht schlecht. Wir sind irgendwie überfordert.“ Lisa lachte und kam rüber.
In den nächsten Minuten half sie ihnen, das Zelt aufzubauen, was sich als gar nicht so schwer herausstellte, wenn man die Anleitung las. Die Jungs stellten sich vor: Felix, der mit den grünen Augen, war 21, studierte Maschinenbau in Aachen, und mit ihm waren seine Kumpels Tim, Lukas und Paul. „Danke“, sagte Felix, als das Zelt endlich stand. „Ohne dich hätten wir die ganze Nacht draußen geschlafen.“ „Gerne“, sagte Lisa. „Ihr schuldet mir was.“ „Ein Bier?“, fragte er hoffnungsvoll. „Mindestens zwei.“ Er grinste. „Abgemacht.“ Die erste Nacht auf Parookaville war wie ein Rausch. Die Mädels hatten sich schnell umgezogen. Glitzer, kurze Röcke, aufwendiges Make up. Dann ging es ab zur Bühne. Die Bässe dröhnten so laut, dass Lisa sie im ganzen Körper spürte. Tausende Menschen tanzten, sprangen, sangen. Es war überwältigend.
Irgendwann gegen zwei Uhr nachts verlor Lisa ihre Freundinnen in der Menge. Sie suchte, rief, aber nichts. Kein Empfang, keine Chance, sie zu finden. Also tanzte sie einfach weiter, allein, ließ sich von der Musik treiben. Und dann, als sie sich nach einer Weile an der Bar einen Drink holen wollte, stand plötzlich Felix neben ihr. „Na, auch verloren?“, fragte er und grinste. Sie lachte. „Total. Meine Freundinnen sind weg.“ „Meine Jungs auch. Dann sind wir ja zwei Verlorene.“ Er bestellte zwei Bier, schob ihr eins rüber. „Prost. Auf Verlorene.“ „Prost.“ Sie tranken, redeten, lachten. Er war lustig, unkompliziert, und wenn er sie ansah mit diesen grünen Augen, dann wurde ihr ganz warm. Irgendwann, als die Musik wieder einsetzte, nahm er ihre Hand. „Komm, tanzen“, sagte er. Sie tanzten stundenlang. Eng aneinander, seine Hände auf ihren Hüften, ihre Arme um seinen Hals.
Sie spürte seinen Atem an ihrer Wange, seine Wärme, seinen Duft. Und sie spürte, wie sie immer feuchter wurde, wie ihr Körper nach mehr verlangte. Als die Sonne langsam aufging, taumelten sie zurück ins Green Camp. Die anderen schliefen längst, in den Zelten war es still. Sie setzten sich vor ihr Zelt, müde, aber glücklich. „Das war die beste Nacht seit Langem“, sagte Felix leise. „Für mich auch“, flüsterte Lisa. Er sah sie an, dieses Mal länger. Dann beugte er sich vor und küsste sie. Seine Lippen waren weich, warm, und er schmeckte nach Bier und Süßigkeiten. Sie erwiderte den Kuss, wilder, fordernder. Ihre Hände fuhren über seinen Rücken, unter sein Shirt. Seine Hände fanden ihre Beine, ihre Hüften, ihren Bauch. „Komm mit ins Zelt“, flüsterte sie. Ihr Zelt war klein, aber es reichte. Zwei Isomatten nebeneinander, ihre Freundinnen schliefen tief und fest.
Lisa zog Felix hinter sich her, ließ sich auf ihre Matte fallen. Er legte sich neben sie, und sofort waren ihre Lippen wieder vereint. Sie küssten sich, während sie sich gegenseitig die Klamotten vom Leib rissen. Ihr Top flog in die Ecke, sein Shirt landete auf ihrer Tasche. Ihre Brüste waren frei, und er nahm sie sofort in den Mund, saugte daran, ließ sie nicht los. Lisa stöhnte leise. Sie musste leise sein, durfte die anderen nicht wecken. Aber es fiel ihr schwer. Seine Zunge, seine Hände, sein ganzer Körper machten sie so verdammt geil. Er wanderte tiefer, knöpfte ihre kurze Hose auf, zog sie aus. Dann ihren Slip. Sie lag nackt vor ihm, nur das dünne Zelt trennte sie von der Außenwelt. „So schön“, flüsterte er. „So unglaublich schön.“ Er beugte sich vor, leckte sie. Seine Zunge fand sofort ihre Klitoris, umkreiste sie, saugte daran.
Sie biss sich auf die Lippen, um nicht zu schreien. Ihre Hände gruben sich in seine Haare, pressten ihn fester an sich. „Felix“, keuchte sie. „Ich will dich. In mir.“ Er richtete sich auf, zog seine Hose aus. Sein Schwanz sprang ihr entgegen, groß, hart, bereit. Sie nahm ihn in die Hand, spürte seine Wärme, seine Härte, und führte ihn an ihre feuchte Öffnung. Er drang langsam in sie ein, so langsam, dass sie jeden Zentimeter spürte. Sie stöhnte auf, vergrub ihr Gesicht in seiner Schulter, um leise zu sein. Er begann sich zu bewegen, erst langsam, dann schneller. Es war anders als mit jedem anderen. Intensiver, wilder, verbotener. Vielleicht lag es an der Situation, an der Nähe der schlafenden Freundinnen, an der aufregenden Nacht. Aber es war perfekt. Er fickte sie, während sie sich aneinander klammerten, während ihre Körper verschmolzen.
Sie spürte, wie der Orgasmus sich aufbaute, wie alles in ihr sich zusammenzog. „Komm mit mir“, flüsterte er. „Komm jetzt.“ Sie kam mit einem unterdrückten Schrei, ihr Körper zuckte, ihre Muskeln pressten sich um seinen Schwanz. Er spürte es, stöhnte, und dann spürte sie, wie er sich zurückzog. Sie öffnete die Augen, sah ihn an. „Wohin?“ Er sah sie an, mit diesem Blick. „Ich will auf dein Gesicht. Wenn du magst.“ Sie nickte. Er riss sich ein paar Mal, dann spritzte er auf sie, auf ihre Wangen, ihre Lippen, ihre Stirn. Sie öffnete den Mund, fing auf, was sie konnte. Es war warm, salzig, und es war das Intimste, was sie je erlebt hatte. Sie schluckte, leckte sich die Lippen, während er den letzten Tropfen auf ihrer Zunge verteilte. Dann fiel er neben sie, keuchend, verschwitzt. Sie lagen nebeneinander, bis sich ihre Atemzüge beruhigt hatten.
„Das war …“, begann er. „Perfekt“, vollendete sie. Lisa wachte auf, als die Sonne schon hoch am Himmel stand und das Zelt aufheizte. Felix lag neben ihr, nackt, sein Arm über ihrer Hüfte. Sie lächelte, als sie ihn ansah. Er schlief tief und fest, sein Gesicht entspannt, fast kindlich. Vorsichtig löste sie sich von ihm, zog sich an. Ihre Freundinnen waren schon wach, saßen vor dem Zelt und tranken Kaffee. Als sie Lisa sahen, grinsten sie. „Na, gute Nacht gehabt?“, fragte Jana spöttisch. Lisa wurde rot. „Halt die Klappe.“ „Wir haben nichts gehört“, sagte Laura. „Wirklich nichts. Und das meine ich ernst.“ Sie lachten alle. Lisa setzte sich zu ihnen, nahm sich einen Kaffee. Ihr Körper schmerzte, aber es war ein guter Schmerz. Ein Schmerz, der an die letzte Nacht erinnerte. Nach einer Weile kam Felix aus dem Zelt.
Er sah verschlafen aus, die Haare zerzaust, und grinste verlegen, als er die Mädels sah. „Morgen“, sagte er. „Morgen“, sagten sie im Chor und grinsten. Er setzte sich zu Lisa, nahm ihre Hand. „Kaffee?“ „Da vorne gibt es welchen“, sagte sie. Er stand auf, kam mit zwei Bechern zurück. Sie tranken schweigend, genossen die Morgensonne, das Gefühl, nebeneinander zu sitzen. „Was machen wir heute?“, fragte er. „Heute läuft Armin van Buuren“, sagte Lisa. „Und abends wahrscheinlich wieder Chaos.“ „Klingt gut. Zusammen?“ Sie sah ihn an, diese grünen Augen, und nickte. „Zusammen.“ Die nächsten zwei Tage waren wie im Rausch. Sie trafen sich immer wieder, tanzten zusammen, hielten Händchen, küssten sich zwischen den Bühnen. Nachts, wenn die anderen schliefen, trafen sie sich in seinem oder ihrem Zelt und liebten sich. Jedes Mal war es anders, jedes Mal intensiver.
Sie lernten die Körper des anderen kennen, fanden heraus, was sie mochten. Er liebte es, wenn sie ihn ritt, mit dem Gesicht zu ihm, damit er ihre Brüste sehen konnte. Sie liebte es, wenn er sie von hinten nahm, während sie sich an den Zeltstangen festhielt. Am letzten Abend, nachdem die letzte Band gespielt hatte und die Festivalstadt langsam zur Ruhe kam, saßen sie noch einmal vor ihrem Zelt. Die Luft war kühl, die Sterne funkelten über ihnen. „Ich will dich noch einmal“, flüsterte sie. Er sah sie an. „Ich dich auch.“ Sie gingen in ihr Zelt. Diesmal war es leer, die Freundinnen feierten noch woanders. Sie zogen sich aus, langsam, genießerisch. Sie wussten, dass dies die letzte Nacht war. Zumindest für jetzt. Sie liebten sich zärtlicher als sonst, fast schon traurig. Jeder Kuss war ein Abschied, jede Berührung eine Erinnerung.
Als er kurz vor dem Höhepunkt war, zog er sich zurück, sah sie an. „Wieder in dein Gesicht?“, fragte er. Sie nickte, öffnete den Mund. Er spritzte auf sie, mehr als sonst, als wollte er ihr alles geben, was er hatte. Sie fing auf, schluckte, leckte sich die Lippen, während er immer noch auf sie spritzte, auf ihre Wangen, ihre Stirn, ihre Brüste. Dann fiel er neben sie, erschöpft. Sie lagen nebeneinander, sein Sperma trocknete auf ihrer Haut, aber keiner von beiden bewegte sich. „Das war die beste Nacht meines Lebens“, sagte er leise. „Meine auch“, flüsterte sie. „Ich will dich nicht verlieren.“ Sie drehte sich zu ihm. „Musst du nicht. Wir schreiben. Wir telefonieren. Wir sehen uns wieder. Parookaville gibt es ja jedes Jahr.“ Er lächelte. „Nächstes Jahr wieder?“ „Nächstes Jahr wieder.“ Am nächsten Morgen packten sie ihre Zelte zusammen, verabschiedeten sich von ihren Freunden.
Felix und Lisa standen nebeneinander, unsicher, was sie sagen sollten. „Also“, begann er. „Danke. Für alles.“ „Danke dir auch“, sagte sie. „Es war wunderschön.“ Er beugte sich vor, küsste sie noch einmal, lange. Dann zog er sein Handy raus. „Nummer?“ Sie tauschten Nummern, umarmten sich, und dann mussten sie los. Ihre Busse fuhren in verschiedene Richtungen. Auf der Rückfahrt starrte Lisa aus dem Fenster und dachte an Felix. An seine grünen Augen, seine Hände, seinen Schwanz. An die Nächte im Zelt, an seinen Geschmack auf ihrer Zunge. Ihr Handy vibrierte. Eine Nachricht von ihm: „Vermisst du Parookaville schon?“ Sie lächelte. „Ich vermisse dich.“ „Ich dich auch. Nächstes Jahr?“ „Nächstes Jahr.“ Sie wusste nicht, ob daraus mehr werden würde. Ob sie sich wiedersehen würden, ob das hier der Anfang von etwas war oder einfach ein wunderschönes Wochenende.







Nächstes Jahr bin ich mit meinen Kumpels auch bei Parookaville. Hoffentlich erlebe ich auch so ein Abenteuer.